DIW fordert mehr Kontrolle bei Riester-Rente

4. Mai 2011

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert eine stärkere Kontrolle der Riester-Förderung. Wenn der Staat schon Milliarden in die private Altersvorsorge der Bürger investiere, dann sollte er besser über die Ergebnisse seiner Subventionen Bescheid wissen, so die Wirtschaftsforscher. Anlass zu der Kritik sind die Rückforderungen, die die Zulagenstelle für Altersvermögen an Riester-Sparer verschickt hat. “Die Rückbuchungen sind ein sehr, sehr starker Hinweis darauf, dass die Riester-Rente nicht so funktioniert, wie geplant”, sagte DIW-Verbraucherschutzexpertin Kornelia Hagen.

Unabhängig von den aktuellen Forderungen hat die Zulagenstelle seit 2002 mindestens 490 Millionen Euro an Riester-Förderung wieder einkassiert. Meistens dürfte es sich um Verbraucher gehandelt haben, die ihre Riester-Rente vorzeitig gekündigt haben und dann die Förderung zurückzahlen mussten. Wer bei einer Riester-Rente die Subvention nicht einbüßen möchte, darf den Vertrag nur stilllegen.

Staat soll Vorauswahl treffen

Aus Sicht der DIW-Expertin Hagen ist der Zustand unhaltbar, dass Verhalten und Motive der Riester-Sparer, Riester-Verweigerer und Riester-Kündiger nicht systematisch untersucht werden. Die Schwachstellen seien seit Langem bekannt. Dazu zählen laut DIW die “exorbitanten Abschlusskosten” und die große Bandbreite an Riester-Produkten, über die sich Anleger nur schwer einen Überblick verschaffen können.

Das Strukturproblem ließe sich abmildern, wenn eine Vorauswahl von Riester-Produkten durch den Staat erfolgen würde. Diese Auswahl könnte an ein wettbewerbliches Ausschreibungsverfahren gekoppelt sein, an dem sich alle Anbieter beteiligen könnten. Die Qualität der Auswahl könnte durch ein Expertengremium kontrolliert werden.

Pflichtberatung vor Kündigung

Das zweite Problem aus Sicht des Wirtschaftsinstituts sind die Kündigungen. Bekanntlich lohnt sich eine Rentenversicherung wegen der hohen Abschlusskosten erst richtig, wenn man sie bis zum Ende durchhält. Ein Weg, die Kunden von der Kündigung abzuhalten, könnte eine individuelle und anbieterunabhängige “Pflichtberatung” vor der Vertragsaufhebung sein. Dies liefe für den Riester-Sparer auf eine Abkühlungsphase hinaus, in der eine Kündigung mit all ihren Konsequenzen noch einmal überdacht werden könnte.

Die Vorschläge klingen doch sehr paternalistisch. Wozu braucht es noch ein Ausschreibungsverfahren, wenn heute schon alle Riester-Produkte zertifiziert werden müssen? Das heißt, alle angebotenen Tarife erfüllen bereits die Anforderungen. Was soll ein Gremium über die Qualität der Produkte sagen? Wenn Verbraucherschützer im Gremium sitzen, ist die Antwort heute schon klar. Dann heißt es: Finger weg von Versicherungen! Doch auch dieser Vorschlag ist schon hundertfach andernorts nachzulesen. Und bestimmte Anbieter generell auszugrenzen, dürfte zu Klagen mit unsicherem Ausgang führen.

Keine Patentrezepte für passgenaue Förderung bei Riester

Wer Altersvorsorge zum Teil privatwirtschaftlich organisiert, sollte die Nebenwirkungen nicht mit hausväterlichen Arzneien bekämpfen. Natürlich verkaufen die Vermittler manchmal das Produkt, dass die meiste Provision bringt, und nicht, was am besten für den Kunden ist. Leider liegen die Verwaltungskosten der Riester-Produkte über den der übrigen, weniger bürokratisch aufgebauten Versicherungs- und Bankprodukte – übrigens nicht “exorbitant”, wie das DIW schreibt, und auch nicht bei allen Anbietern. Und natürlich nutzen Teile des Vertriebs auch Lücken, wie zum Beispiel den massenhaften Anbieterwechsel, mit dem sie wieder neue Provision auf Kosten der Kunden erwirtschaften.

Dagegen hilft nur, immer wieder zu informieren, auch wenn es langweilig klingt. Oder man organisiert eine kapitalgedeckte Altersvorsorge, die obligatorisch und kollektiv aufgebaut ist. Beinahe skurril ist der Vorschlag einer “Pflichtberatung” vor der Kündigung. Man stelle sich den armen Versicherungskunden vor, der vor einem Gremium grimmig dreinschauender alter Männer seine Vertragsaufhebung verteidigen muss. Eine Policen-Kündigung ist keine Abtreibung, da sollte sich der Staat heraushalten.

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Autor: transparo

transparo ist das smarte Vergleichsportal für alle, die schnell durchblicken wollen. Im Blog werfen wir einen Blick auf alles, was sich bei Versicherungen, Banken und Energieanbietern bewegt. Dabei gehen wir immer der Frage nach: Wie wirkt sich die Entwicklung auf Verbraucher aus?

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