DIW: Riester-Rente oft so schlecht wie der Sparstrumpf

24. November 2011

“Schlechte Rendite, hohe Gebühren, intransparente Kalkulationsgrundlagen” – Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) lässt es krachen in seiner aktuellen Stellungnahme zur Riester-Rente. Das Institut hatte zusammen mit Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und mittlerweile Chef des Bundes der Versicherten (BdV), eine umfangreiche Studie über die staatlich geförderte Altersvorsorge erarbeitet.

“Riester-Sparer erzielen in vielen Fällen nur so viel Rendite, als hätten sie ihr Kapital im Sparstrumpf gesammelt”, sagt die DIW-Expertin für Verbraucherpolitik Kornelia Hagen. Und weiter: “Eine 35-jährige Frau, die heute einen Riestervertrag abschließt, muss – wird die Rendite auf die garantierte Rentenleistung und Überschüsse bezogen – mindestens 77 Jahre werden, um allein das herauszubekommen, was sie selbst eingezahlt und was sie an Zulagen vom Staat erhalten hat. Möchte diese Frau auch einen Inflationsausgleich und höhere Zinsen erwirtschaften, müsste sie sogar ihren 109. Geburtstag erleben.”

Riester oder Sparstrumpf – Was ist besser?

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft ist natürlich “not amused” über die Studie und hat folglich einiges daran auszusetzen. “Die DIW-Bilanz, Riester-Produkte rentierten sich nicht, ist falsch”, heißt es in einer Stellungnahme. Wichtigster Kritikpunkt ist, dass die Studie die Überschussbeteiligung der Versicherer nicht angemessen berücksichtigen würde. “Die Behauptung, Riester-Renten lohnen sich oft nicht mehr als ein ‘Sparstrumpf’, berücksichtigt nur die anfangs zugesagten Mindestleistungen. Damit wird implizit unterstellt, dass die Versicherungswirtschaft nie Überschüsse erwirtschaften würde.”

Ein Blick in die Studie verrät, was genau gemeint sein soll. 109 Jahre müsste eine Frau werden, damit die monatlichen Zahlungen aus der Riester-Rente zumindest einen Inflationsausgleich (immerhin bei angenommener Inflation von 2,5 Prozent) erwirtschaften. Doch im Begleittext steht, dass sich diese Aussage auf die Garantierente ohne Überschüsse bezieht (Seite 58). Es ist schon recht unglücklich, eine zentrale Aussage einer Studienpräsentation auf einen Modellfall zu beziehen, der in der Praxis kaum vorkommt. Denn mit Überschüssen gerechnet würden die Zahlen anders aussehen.

Versicherer: Mit falschen Zahlen hantiert

Bei einer klassischen Rentenversicherung ist eine Garantierente zum Vertragsabschluss fest zugesichert. Auf diesen Wert bezieht sich die Aussage mit 109 Jahren. Doch daneben gewähren die Versicherer nicht garantierte laufende Überschüsse und obendrein Schlussüberschüsse.

Unerfreuliche Zahlen scheint es bei den Riester-Produkten auch in anderen Hochrechnungen zu geben. In allen berechneten Beispielfällen ist die Rentenrendite – also die Rendite, die ein Rentner erwartungsgemäß in der Gesamtheit aller Rentenzahlungen erhält – merklich gesunken gegenüber 2001. Bei Männern ist das kein Wunder, denn mittlerweile gelten Unisex-Tarife, die für beide Geschlechter gleich kalkuliert sind. Weil Männer aber früher sterben, bekamen sie nach der alten Berechnungsform höhere Renten als jetzt. Während ein 50-Jähriger bei einer klassischen Riester-Rente aus dem Jahr 2001 noch mit einer Rendite (inklusive Überschüssen) von 3,97 Prozent rechnen konnte, sind es jetzt 2,79 Prozent. Bei einem 35-Jährigen sehen die Zahlen etwas freundlicher aus.

Sparphase: Kein Verschlechterung in Sicht

Erstaunlich, dass auch Frauen heute weniger bekommen als vor 10 Jahren. Eigentlich hätten sie von der Kalkulation nach Unisex-Tarifen profitieren müssen. Dennoch sinkt bei ihnen die Rendite um 0,2 bis 0,3 Prozent. Zocken also die Riester-Anbieter ihre Kunden doch ab? Nicht unbedingt. Eine mögliche Erklärung wären die Voraussetzungen, die die Studie an dieser Stelle macht. Sie geht offensichtlich von derselben Lebenserwartung aus (Seite 48). Aber 50-Jährige von heute können damit rechnen, dass sie länger leben als Menschen, die vor 10 Jahren 50 Jahre alt waren. Dementsprechend länger werden sie ihre Rente genießen.

Und tatsächlich, geht es um die Rendite des Kapitalvolumens, das am Beginn der Rentenzahlungen zur Verfügung steht und wo die Sterblichkeit noch eine geringere Rolle spielt, dann sind die Zahlen fast identisch. Also an dieser Stelle kein Hinweis auf eine drastische Verschlechterung.

Was die Renten-Rendite angeht, sollte man nach gesundem Menschenverstand erwarten, dass die Rendite der Unisex-Tarife sich etwa in der Mitte zwischen den Tarifen für Männer und Frauen einpendelt. Doch es passiert nicht, wie die Zahlen zeigen, und die Versicherungsmathematik gibt auch eine Erklärung. Die Aktuare müssen bei der Kalkulation davon ausgehen, dass mehr Frauen als Männer zukünftig eine einheitlich berechnete Rentenversicherung abschließen, weil Männer wegen der kürzeren Lebenserwartung Nachteile für sich erwarten. Also werden sie den Unisex-Tarif eher an den der Frauen annähern. Studien Autor Kleinlein wird deutlich: “Nutznießer der für Männer höheren Prämien wurden also nicht die Frauen, sondern die Versicherungsunternehmen, die auf Grundlage des Unisex nun höhere Prämien einkassieren.”

Wohin die Überschüsse fließen

Zugleich vermerkt er, dass der Vorteil nicht dauerhaft bei der Versicherung bleibt. Denn wenn mehr Männer im Versichertenkollektiv sind und sie tatsächlich früher sterben, dann entstehen bei der Versicherung Risikoüberschüsse und die muss der Anbieter an die Kunden weiterreichen. Doch auch hier ist die Lage komplizierter. Denn erstens werden einige, die früh versterben, davon nicht mehr profitieren. Andererseits muss die Gesellschaft die Risikoüberschüsse nicht komplett an die Kunden auszahlen. Mindestens drei Viertel davon müssen im Säckel der Kunden landen. Vor zehn Jahren lag dieser Wert übrigens noch bei mindestens 90 Prozent.

Das DIW spricht davon, dass gerade Menschen, die stärker von Altersarmut betroffen sein werden, weniger “riestern”. So sei etwa der Anteil der Riester-Sparer unter westdeutschen Männern mit Hochschulabschluss mit gut 35 Prozent mehr als doppelt so hoch wie in der Vergleichsgruppe mit niedrigem Bildungsabschluss. Das will der GDV nicht auf sich sitzen lassen und kontert mit Zahlen der Zentralstelle, die für die Verteilung der Zulagen zuständig ist. Danach verfügten rund 30 Prozent der Zulagenempfänger über ein Einkommen von bis zu 10.000 Euro, rund 50 Prozent von bis zu 20.000 Euro und knapp 70 Prozent von bis zu 30.000 Euro.

tr, Foto: Konstantin Sutyagin (Fotolia.com)

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Autor: transparo

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