Forscher kritisiert Studie zur Riester-Rente

24. November 2009

Die Riester-Rente bringt Nachteile für die Volkswirtschaft, so lautet das Fazit einer Untersuchung des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).  Wir haben mit Dr. Martin Gasche, Fachbereichsleiter am Mannheimer Forschungsinstitut Ökonomie und Demographischer Wandel (MEA), über die Studie gesprochen.

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Zur Studie: Die IMK-Forscher betrachteten dabei die Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft (Makroökonomie). Wer mit einem Riester-Vertrag die Rentenlücke, die verschiedene Reformen vergrößert haben, schließen möchte, hat weniger Geld zum Ausgeben übrig. Deshalb sei der Konsum zurückgegangen und die Wirtschaft weniger stark gewachsen. Ein Prozent weniger Konjunktur auf Sicht von sechs Jahren sei das Ergebnis.

Was der Staat an geringeren Ausgaben dank der Rentenreformen sparte, das hat der gedämpfte Aufschwung zunichte gemacht. Effizienter wäre es gewesen, bei der alt hergebrachten Umlagefinanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung zu bleiben.

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Aspect Online: Das IMK sagt, gesamtwirtschaftlich betrachtet sei die Riester-Rente ein Flop. Haben Sie ähnliche Untersuchungen durchgeführt und mit welchem Ergebnis?

Gasche: Die Abschätzung von makroökonomischen Effekten hängt immer davon ab, welches Modell man zur Berechnung verwendet. Das IMK benutzt ein Konjunkturmodell. Das MEA hat vor einigen Jahren unter Verwendungen eines Wachstumsmodells positive Effekte für die Wachstumsrate feststellen können.

Aspect Online: Welche Faktoren bei der Riester-Rente bewerten Sie anders?

Gasche: Wichtig ist beispielsweise, dass man den  Steuercharakter der Beiträge berücksichtigt. Dahinter steckt die Frage, in welchem Maß sieht der Zahler das abgeführte Geld als Steuer an.

Beitragszahlungen in ein kapitalgedecktes Altersvorsorgeprodukt haben für die Leute keinen Steuercharakter, weil sie einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen ihrer Zahlung und den Leistungen sehen können. Sie sparen letztlich auf einem Konto an, ähnlich wie bei einer Bank.

Aspect Online: Und bei der gesetzlichen Rente liegt die Sache anders?

Gasche: Da ist der Zusammenhang nicht so eng. Man zahlt Beiträge und vertraut darauf, dass zukünftige Generationen durch ihre Beiträge dann die Rentenzahlungen leisten. Hier kann man eher versucht sein, die Beitragszahlungen als Steuer aufzufassen, gerade wenn das Rentenalter noch in weiter Ferne liegt. Eine Steuer verursacht aber Verzerrungen oder einfacher ausgedrückt: Reaktionen zur Steuervermeidung, wie Schwarzarbeit und Reduktion des Arbeitsangebots. Dies sorgt wieder für Wachstumseinbußen.

Aspect Online: Bei der kapitalgedeckten Riester-Rente erwirtschaftet jeder Vertrag eine Wertsteigerung am Kapitalmarkt. Die IMK-Forscher bezweifeln nun, dass dabei für den einzelnen Rentner dauerhaft mehr herauskommt als bei der Umlagefinanzierung.

Gasche: Diesen Standpunkt kann ich nicht teilen. Unsere Berechnungen zeigen ein anderes Bild: Die Renditen der kapitalgedeckten Altersvorsorge übersteigen die der gesetzlichen Rentenversicherung. Das gilt selbst, wenn wir bei den Riester-Verträgen hohe Verwaltungskosten unterstellen und die staatliche Förderung nicht berücksichtigen. Selbst die Finanzkrise verändert dieses Ergebnis nicht. Denn, was viele nicht wissen, die Finanzkrise wirkt sich nicht nur negativ auf die Rendite der kapitalgedeckten Altersvorsorge aus, sondern auch auf die der gesetzlichen Rente.

Das Interview führte Toralf Richter

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Autor: transparo

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