HanseMerkur darf mit “RiesterMeister”-Schale werben

29. November 2010

Woran denken Sie, wenn auf einem Fußballfeld eine große runde, silbern glänzende Schüssel präsentiert wird? An die Meisterschale der Deutschen Fußball Liga (DFL) oder daran, dass die HanseMerkur24 die höchste Riester-Rente verspricht?

RiesterMeister-Schale der HanseMerkur24, der Gegenstand des Streits. Foto: HanseMerkur

RiesterMeister-Schale der HanseMerkur24, der Gegenstand des Streits. Foto: HanseMerkur

Hinter der Frage steht ein Rechtsstreit, den die DFL gegen den Versicherer sogar vor dem Bundesgerichtshof (BGH) ausfechten wollte und letztendlich scheiterte. Es geht um eine clevere Werbekampagne und um die Freiheit der Werbung.

Seit August 2007 wirbt die HanseMerkur24, eine Marke des Hamburger Lebensversicherers HanseMerkur, mit einer “RiesterMeister”-Schale. Der Anlass: Die Gesellschaft garantiert die höchste Riester-Rente, die nach deutschen Vorschriften kalkuliert wird. Und der beste ist in Deutschland ja immer noch der Meister. Zur RiesterMeister-Kampagne engagierte die Gesellschaft bis Juli 2010 als Werbeikone den Nationalspieler Mario Gomez. Er läuft im Werbespot mit der Schale übers Fußballfeld und will die Zuschauer von der guten Riester-Rente überzeugen.

Kampf gegen “Guerilla-Marketing”

Von einer Meisterschale hatte aber auch die DFL schonmal gehört und erinnerte sich an diejenige, die jährlich der deutsche Fußballmeister bekommt. Die Liga war gar nicht amüsiert über die Werbekampagne und klagte im September 2008  vor dem Landgericht München wegen der Verletzung ihrer Markenrechte an der DFB-Meisterschale. “Guerilla-Marketing reinsten Wassers” sei das, die HanseMerkur nicht mehr als ein “Trittbrettfahrer” der Fußballeuphorie. In erster Instanz siegte der Sportverband, die Richter untersagten der Versicherung, ihre Förderrente mit der „RiesterMeister”-Schale zu bewerben.

Mit dem Hamburger Wettbewerbs- und Markenrechtler Christian Klawitter ging die HanseMerkur in Berufung und gewann im vorigen November vor dem Oberlandesgericht München. Zwischen dem Werbemittel und der DFB-Meisterschale bestehe wegen markanter Abweichungen “weder klanglich noch schriftbildlich oder begrifflich” eine Verwechslungsgefahr, hieß es im dortigen Urteil. Eine Revision wurde nicht zugelassen.

Signalwirkung für die gesamte Werbung

Im letzten Akt bemühte die DFL noch den Bundesgerichtshof und legte Beschwerde wegen Nichtzulassung der Revision ein. Der I. Zivilsenat wies das jedoch ab. Die “RiesterMeister”-Schale darf also weiter glänzen und für die Förderrente werben.

Der Wettbewerbsanwalt Klawitter misst dem jetzt vom Bundesgerichtshof bestätigten Urteil weitreichende Konsequenzen für die Werbewirtschaft bei: “Mit dem Urteil ist den überzogenen Monopolansprüchen nationaler und internationaler Sportverbände eine deutliche Absage erteilt worden. In Zukunft gilt: Im Zweifel für die Werbefreiheit!”

Dass es sich bei dem Symbol Meisterschale zumindest um einen Balanceakt handelt, verdeutlicht das Statement von Fritz Horst Melsheimer, Vorstandsvorsitzender der HanseMerkur Versicherungsgruppe. Er bemüht sich spürbar die Werbebotschaft möglichst weit vom Fußball wegzurücken und nur mit der guten garantierten Rente in Verbindung zu bringen: “Es freut mich, dass nun auch höchstrichterlich bestätigt wurde, dass die ‘RiesterMeister’-Schale für sich selbst und damit ausschließlich für unser Exzellenz-Produkt in der Altersvorsorge steht.”

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Autor: transparo

transparo ist das smarte Vergleichsportal für alle, die schnell durchblicken wollen. Im Blog werfen wir einen Blick auf alles, was sich bei Versicherungen, Banken und Energieanbietern bewegt. Dabei gehen wir immer der Frage nach: Wie wirkt sich die Entwicklung auf Verbraucher aus?

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