Lebensversicherung: Nur noch 1,75 Prozent garantiert

22. Februar 2011

Die psychologische Schwelle, die die Versicherer fürchteten, wird unterschritten. Das Bundesfinanzministerium gab bekannt, dass der Höchstrechnungszins in der Lebensversicherung zum 1. Januar 2012 von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent sinkt. Dabei hat die Entscheidung kaum faktische Auswirkungen für die Kunden.

Das Ministerium muss den Zins danach ausrichten, welche Rendite in den vergangenen 10 Jahren mit europäischen Staatsanleihen, die auf 10 Jahre laufen, zu erzielen war. Damit die Versicherer sich bei ihren Versprechen nicht übernehmen, dürfen sie nur 60 Prozent dieses gleitenden Durchschnitts garantieren. Der Wert näherte sich ganz merklich dem aktuell geltenden Garantiezins von 2,25 Prozent an, deshalb sah das Ministerium Handlungsbedarf.

Betroffen ist aber nur der Garantiezins, also die Mindestverzinsung des Guthabens aller neu (ab Januar 2012) abgeschlossenen klassischen Kapitallebensversicherungen und privaten Rentenversicherungen.

Was ändert sich für Kunden durch die Absenkung? Für Bestandskunden gar nichts, für Neukunden nicht viel. Bei Altverträgen gilt weiter die Mindestverzinsung, die bei Abschluss garantiert wurde. Neukunden sollten sich verdeutlichen, dass der Garantiezins nur der Rettungsanker ist, unter den die Rendite auf das Vertragsguthaben niemals fallen kann. Aber jeder Versicherer erwirtschaftet bei der Kapitalanlage Überschüsse, die deutlich über dem aktuellen Garantiezins liegen. Die Gesamtverzinsung in der klassischen Lebensversicherung erreicht aktuell im Branchenschnitt rund 4,8 Prozent, wie der Branchenverband GDV meldet.

Kniffelig wird es für Kunden bei Versicherern, deren laufende Überschussbeteiligung unter die Marke von 4,0 Prozent abgetaucht ist. Denn diese Gesellschaften müssen Sparern mit Verträgen aus den Jahren 1995 bis 2000 damals geltenden Garantiezins von 4,0 Prozent gewähren. Dafür erhalten die anderen Versicherten mit niedrigerem Garantiezins entsprechend weniger vom Kuchen.

Bei der Riester-Rente könnte es die direkte Auswirkung geben, dass einige Versicherer mit hohen Kosten älteren Sparern keinen Riester-Vertrag mehr anbieten können. Das kommt durch die Beitragsgarantie, die der Gesetzgeber bei Riester fordert. Was eingezahlt wird, muss im Rentenalter als Guthaben zur Verfügung stehen. Die 1,75 Prozent, die der Versicherer zukünftig maximal garantieren dürfte, beziehen sich aber nur auf den Sparbeitrag. Das ist nicht der gesamte Kundenbeitrag, vielmehr sind davon vorher die Verwaltungsgebühren und die Provision abgezogen worden. Liegen diese Kosten hoch, reicht der Garantiezins nicht mehr um den Beitragserhalt zu gewährleisten.

Was ändert sich für die Versicherer? Sie müssen sämtliche Tarife bis Ende des Jahres neu kalkulieren, ein hoher Aufwand. Sinkt die Garantie, könnten sie eigentlich ihre Kapitalanlage offensiver ausrichten und zum Beispiel mehr in Aktien investieren – in der Hoffnung auf einen Boom an den Märkten. Doch das ist nicht zu erwarten. Erstens richtet sich die Investmentpolitik nach dem durchschnittlichen Garantiezins, den der Gesamtbestand aller Versicherungen hat. Der liegt derzeit bei etwa 3,3 Prozent. Die neuen Verträge werden ihn nur langsam nach unten drücken. Außerdem haben die Versicherer ihre Aktienquote auch in der vergangenen Jahren nur sehr zögerlich hochgefahren, obwohl sie Spielraum hatten.

Was ist dramatisch an den 1,75 Prozent? Eigentlich nichts. Trotzdem hatte sich der Branchenverband GDV gegen die starke Absenkung gewehrt und für einen moderaten Abwärtsschritt auf 2,0 Prozent plädiert. Die jetzt vollzogene Absenkung wäre nach seiner Meinung erst 2018 notwendig geworden, selbst wenn das niedrige Zinsniveau vom Herbst letzten Jahres weiter andauert. Hinter der Argumentation gegen einen starken Schritt nach unten steckt auch die Angst, dass eine Diskussion um den Garantiezins Kunden verschreckt. Eine eins vor dem Komma verkauft der Vermittler einfach schlechter. Jedoch sollte der Garantiezins die Attraktivität der Lebensversicherung bei Lichte betrachtet nicht bedrohen. Dennoch könnten wegen der anhaltend niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen einige der Gesellschaften in schwieriges Fahrwasser geraten.

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Autor: transparo

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