Nano-Technologie: Verheißung und Gefahr

19. Februar 2010

Nanomaterialien versprechen technische Revolutionen und eine schöne neue Warenwelt. Aus extrem leitfähigen Kohlenstoff-Nanoröhren (CNT) könnten in der Mikroelektronik die Chips und Prozessoren der Zukunft entstehen. In Tennisschlägern oder Fahrradrahmen sorgen sie für höchste Festigkeit. Nanopartikel eines anderen Stoffes, Titan-Dioxid, dienen heute schon in Sonnencremes zur Abwehr von UV-Strahlung.

Viele Branchen setzen auf die winzig kleinen Stoffe. Doch medizinische Untersuchungen trüben die Freude. Und diese Gefahren sollten Versicherer genau im Blick behalten, meint Christoph Meili in einem Beitrag in der Zeitschrift “Versicherungwirtschaft” (4/2010). Der Schweizer ist Chef des Beratungsunternehmens Innovationsgesellschaft, das Unternehmen bei der Einführung neuer Technologien begleitet.

Das Einatmen von CNT kann unter Umständen ähnliche Auswirkungen auf den Organismus haben wie Asbest. Mäuse erkrankten, nachdem sie die Mikrostoffe inhaliert hatten. Der direkte Zusammenhang sei nicht belegt, so Meili, die Befürchtung besteht jedoch. Auch das Titanoxid steht im Verdacht, Entzündungen in der Lunge hervorzurufen. Alles noch nicht bewiesen.

Versicherer zahlten über 100 Milliarden Dollar

Doch die Erinnerung an Asbest wird wach. Lange galt der dieser feste, hitze- und säurebeständige Stoff als Wundermittel der Bauindustrie. Am Ende standen schwere Erkrankungen, der Abriss von Gebäuden und teure Sammelklagen in den USA. Einen großen Teil zahlten die Gesellschaften, die Baufirmen und andere Verarbeiter von Asbest in der Betriebshaftpflicht versichert hatten. Die Schadenssummen der US-amerikanischen Versicherer beliefen sich bis 2005 auf immense 100 bis 200 Milliarden Dollar. Auch die Allianz und Gerling waren bei ihrem Amerika-Geschäft betroffen. Seit 2004 schließen alle deutschen Versicherer Schäden durch Asbest größtenteils aus der Haftpflichtversicherung aus.

Nach Meinung von Meili sind die Nanomaterialien heute noch eine “Informations-Black-Box”.  Auf der Kette vom Hersteller über den Verarbeiter und den Händler bis zum Verbraucher und zum Recycler gehen Hinweise, welche Stoffe enthalten sind, verloren. Wegen der geringen Mengen müssen sie in Sicherheitsdatenblättern teilweise nicht angegeben werden. Hier sind bestehende Lücken zu schließen.

Bei Kosmetika ändert sich die Kennzeichnung schon 2013. Dann erkennen Verbraucher zum Beispiel an dem Hinweis “TiO2 (nano)”, dass oben genanntes Titanoxid im Sonnenschutz enthalten ist. Versicherer sollten jetzt genau darauf achten, ob und wie ihre Betriebshaftpflicht-Kunden mit Nanomaterialien arbeiten. Wenn die Gesellschaften die Forschung zu Umwelt- und Gesundheitsrisiken beobachten und bei den Versicherungskunden Sicherheitsmaßnahmen einfordern, bleibt ihr eigenes Risiko besser beherrschbar.

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Autor: transparo

transparo ist das smarte Vergleichsportal für alle, die schnell durchblicken wollen. Im Blog werfen wir einen Blick auf alles, was sich bei Versicherungen, Banken und Energieanbietern bewegt. Dabei gehen wir immer der Frage nach: Wie wirkt sich die Entwicklung auf Verbraucher aus?

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