Start in die Motorrad-Saison

29. März 2012

Bei dem strahlenden Sonnenschein haben Biker wieder Benzin im Blut. Einige sind nach dem Motto unterwegs: “Langsam und vorsichtig kann ich im Alter auch noch fahren, nicht jetzt.” Da spielen wir ein bisschen die Spaßbremsen und geben einige Tipps aus Versicherungssicht.

Ein Blick, ob das Motorrad verkehrssicher ist, sollte jeder Motorradfahrer riskieren, zuerst wegen der eigenen Sicherheit. Auswirkungen kann es aber auch auf die Motorradversicherung haben. Defekte Reifen – zum Beispiel durch Risse und eingefahrene Nägel – erhöhen das Unfallrisiko erheblich. Im Schadenfall kürzen die meisten Versicherer mittlerweile nicht mehr die Zahlungen, falls der Fahrer grob fahrlässig gehandelt hat.  “Es  ist  aber  nicht  auszuschließen,  dass  eine Motorradversicherung die Leistung  wegen  so genannten  ‘gefahrerhöhenden Verhaltens’ verweigert oder kürzt, betont Armin Eckert,  KFZ-Experte  der Gothaer Versicherung. Außerdem muss der Biker das Reifenprofil kontrollieren. Die gesetzlich verlangte Profiltiefe liegt bei mindestens 1,6 Millimetern.

Schutzkleidung schützt auch vor bösen Überraschungen

Ohne Schutzkleidung sollte kein Fahrvergnügen beginnen. Der Fahrer trägt sonst eine Mitschuld an seinen eigenen Verletzungen. Jeder weiß, dass das Verletzungsrisiko ohne Helm und Lederkluft immens steigt, meinte auch das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. I-1 U 137/05). Aus diesem Grund bekam der Motorradfahrer in einem dort entschiedenen Fall nur ein gemindertes Schmerzensgeld zugesprochen, wie die Arag Versicherung mitteilt. Insgesamt musste die Kfz-Versicherung des Unfallgegners 3.500 Euro zahlen, viel weniger, als bei angemessener Kleidung für identische Verletzungen fällig gewesen wären.

Wenn die Schutzkleidung selbst kaputt geht, nimmt manche gegnerische Kfz-Versicherung hohe Abzüge vor, weil die Sachen nicht mehr neu waren. Gerichte urteilen da unterschiedlich. Im Streitfall sollte der Motorradfan allerdings auf die lange Lebensdauer der Motorradkleidung verweisen und sich allenfalls geringe Abzüge gefallen lassen, rät die Arag.

Kein Nutzungsausfall für das Freizeit-Bike

Umstritten ist immer wieder, ob einem Motorradfahrer bei einem Schaden Nutzungsausfall für die Reparaturdauer oder die Zeit der Wiederbeschaffung zusteht. Wird das Motorrad nur als Spaßfahrzeug neben einem Pkw genutzt, gibt es in der Regel kein Geld. Ist das Motorrad aber alleiniges Fahrzeug und wird auch im Alltag eingesetzt, so wird die Kfz-Versicherung im Schadensfall auch Nutzungsausfall zahlen müssen. In jedem Fall muss man dem Versicherer die Art und den Umfang der Nutzung nachvollziehbar schildern.

Mit Staus gehen viele Biker sportlich um, sie preschen einfach dran vorbei oder schlängeln sich durch. Dabei ist es generell nicht erlaubt, rechts zu überholen. Der Verstoß kann drei Punkte in Flensburg einbringen. Kommt es zum Unfall, rechnen die Gerichte dem Fahrer außerdem ein Mitverschulden an. Das bedeutet wiederum geringere Leistungen von der Kfz-Versicherung des Unfallgegners. Links zu überholen, ist zwar erlaubt. Aber die Fahrbahnmarkierung darf dabei nicht überfahren und der Sicherheitsabstand nicht unterschritten werden. Ergo müssen auch Biker sich eigentlich meist in den Stau einreihen.

Tempo-Messung vom Motorrad aus zweifelhaft

Noch eine entspannende Meldung in Sachen Geschwindigkeitsmessung: Nicht jede ist gerichtlich verwertbar. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig hat im Jahr 2010 auf Probleme hingewiesen. Sie treten bei Kameras auf, die an Motorrädern montiert sind und dort Geschwindigkeit aufzeichnen und messen. Eine verlässliche Messung ist danach nur auf gerader Strecke möglich.

Wenn also eine Geschwindigkeitsüberschreitung durch Hinterherfahren auf kurviger Strecke gemessen wurde, ist Vorsicht geboten. Im Zweifel kann man sich dann gegen einen darauf basierenden Bußgeldbescheid wehren und einen Fachanwalt für Verkehrsrecht zu Rate ziehen. Dies gilt auch, falls die Geschwindigkeitsmessung durch die umstrittene Videoüberwachung aller Fahrzeuge erfolgt sein sollte, die die Messstelle passiert haben.

Unter 18 schon mit 100 Sachen unterwegs

Junge Motorradfahrer dürfen in Zukunft schneller unterwegs sein. Ab Januar 2013 wird bei kleinen Motorrädern bis 125 Kubikzentimetern Hubraum das Tempolimit von 80 Stundenkilometer für unter 18-Jährige aufgehoben. Dafür ändert der Gesetzgeber jetzt die deutsche Fahrerlaubnis-Verordnung. Er muss sich dabei an EU-Richtlinie orientieren. Diese erlaubt laut Arag-Experten keine Sonderauflagen für die Fahrerlaubnis A1 mehr.

Allerdings gilt fortan eine verschärfte Definition der Klasse A1, die neben dem Hubraum von 125 Kubikzentimetern und einer Nennleistung von nicht mehr als elf Kilowatt (15 PS) auch das Verhältnis zum Gewicht vorschreibt: Es darf künftig 0,1 Kilowatt pro Kilogramm Gewicht des Motorrades nicht übersteigen. Dieses zusätzliche Kriterium “Verhältnis Leistung/Gewicht” verhindert laut Institut für Zweiradsicherheit Geschwindigkeiten deutlich über 100 Stundenkilometern.

tr, Foto: BMW

wpadmin

Autor: transparo

transparo ist das smarte Vergleichsportal für alle, die schnell durchblicken wollen. Im Blog werfen wir einen Blick auf alles, was sich bei Versicherungen, Banken und Energieanbietern bewegt. Dabei gehen wir immer der Frage nach: Wie wirkt sich die Entwicklung auf Verbraucher aus?

  • [...] Die Sonne macht mobil und so starten auch die Motorradfahrer wieder in eine neue Saison. Damit diese jedoch nicht zum Fehlstart wird, ist es gerade zu diesem Zeitpunkt sinnvoll, einen kritischen Blick auf die Versicherung zu werfen und zu vergleichen. [...]

  • Ihr Kommentar