Zinskommentar: An Spanien wird sich Euroland entscheiden

29. November 2010

Der Zinskommentar vom 26.11.2010, präsentiert von Interhyp

Keine 24 Stunden nach der Entscheidung Irlands, ein Rettungspaket bei der EU zu beantragen, haben sich die Märkte Anfang der Woche schon auf Portugal und Spanien eingeschossen. Das Dominospiel wird also weitergehen und die EU-Politiker und Notenbanker an die Grenze ihrer Belastbarkeit bringen. Die Zinsen für portugiesische Staatsanleihen sind bereits auf ein Niveau gestiegen, das die Refinanzierung über den Rettungsschirm attraktiv macht. Es ist daher davon auszugehen, dass auch Portugal in den nächsten Wochen seinen eigenen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum verlieren und unter das Diktat der EU und des IWF fallen wird.

Der große Konstruktionsfehler des Euro kommt damit immer mehr zu Tage: Eine Währung und ein gemeinsames Zinsniveau wurden über weitgehend inhomogene Volkswirtschaften gelegt, ohne gleichzeitig die steuerlichen, budgetären und ordnungspolitischen Rahmenbedingungen ebenfalls zu harmonisieren. Das hat zu dramatischen Fehlentwicklungen auf der Ebene einzelner Staaten geführt, die von der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank jahrelang ignoriert wurden. Was bleibt, ist ein Scherbenhaufen, der derzeit mit viel Rhetorik, mit obszön dimensionierten Rettungsschirmen, aber ohne klare gemeinsame Strategie beantwortet wird. Selbst ein kühler Kopf wie Bundesbank-Chef Weber stellt plötzlich eine Aufstockung des Rettungsschirmes in Aussicht, sollte der alte nicht halten.

Es droht die Transferunion im Euro-Raum

Der spanische Regierungschef Zapatero warnt internationale Anleger, deren Wohlwollen er dringend bräuchte, vor Spekulationen gegen Spanien. Dabei ist klar, was diejenigen, die am Ende das Kapital zur Verfügung stellen sollen, gerne sehen wollen: konsequente Sanierungsschritte für die Haushalte, klare Regularien und fest definierte Spielregeln für die Euro-Mitgliedschaft eines Landes, klare Schritte und Zeithorizonte zur Harmonisierung der Eurozone in Bezug auf Wirtschafts- und Steuerpolitik und die Erarbeitung von neuen Geschäftsmodellen für die Länder, deren alte Modelle gerade zusammengebrochen sind.

Dazu gehört neben Griechenland, Irland und Portugal leider auch Spanien. Der Zusammenbruch des monströsen Immobiliensektors dort hat das Land mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit, 30 Prozent Jugendarbeitslosigkeit und 50 Prozent Minderverdienenden zurückgelassen. Der Bankensektor ist nur oberflächlich stabil und die bisherigen Reformansätze sind bezogen auf die Dramatik der Situation viel zu zaghaft. Daher ist das große Misstrauen der Investoren gegenüber Spanien verständlich. Sollte der Druck auf Spanien, das immerhin 12 Prozent der Eurozone darstellt, unerträglich werden, kann es nur zwei Alternativen geben: Entweder der finale Schritt zu einer Transferunion bei der nur noch wenige Zahler, allen voran Deutschland, übrig bleiben. Oder ein Auseinanderbrechen in einen Kern- und Peripherie-Euro.

Da die zweite Variante politisch undenkbar ist, wird es wohl auf Variante 1 hinauslaufen. Die Folge werden höhere Kreditzinsen ebenso für die Geberländer sein. Der Außenwert des Euro bleibt da eher das geringere Problem. Zu befürchten ist allerdings eine zunehmend angespannte Stimmung in Europa, da sowohl Geberländer als auch die unter dem Diktat von Brüssel und IWF stehenden Nehmerländer ihre jeweilige Situation als zutiefst ungerecht empfinden werden.

Zinsen am langen Ende tendieren nach oben

Bei der Baufinanzierung ändert sich für Kunden vorerst nichts. Zwar sind die Zinsen für längere Laufzeiten zuletzt schon gestiegen – im langjährigen Vergleich sind sie aber immer noch extrem günstig. Wir empfehlen daher, nicht mehr auf sinkende Zinsen zu spekulieren, sondern für Sicherheit zu sorgen. Bauherren und Immobilienkäufer müssen in Zeithorizonten von 20 bis 30 Jahren denken – diese Periode heute zu historisch tiefen Zinssätzen abzusichern, kann kein Fehler sein.

Grundsätzlich ist bei diesem niedrigen Zinsniveau eine Tilgung von zwei bis drei Prozent empfehlenswert, damit die Gesamtlaufzeit des Darlehens überschaubar bleibt. Gefragt sind aus diesem Grund derzeit auch sogenannte Volltilger-Darlehen. Dabei steht über eine höhere laufende Tilgung heute schon eine Rate fest, die nach 20 oder 25 Jahren zur vollständigen Rückzahlung des Darlehens führt. Das Risiko, später zu deutlich höheren Zinsen eine Anschlussfinanzierung vornehmen zu müssen, wird damit schon heute ausgeschlossen.

Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: aufwärts

Von Robert Haselsteiner – Gründer und Co-CEO der Interhyp AG

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Autor: transparo

transparo ist das smarte Vergleichsportal für alle, die schnell durchblicken wollen. Im Blog werfen wir einen Blick auf alles, was sich bei Versicherungen, Banken und Energieanbietern bewegt. Dabei gehen wir immer der Frage nach: Wie wirkt sich die Entwicklung auf Verbraucher aus?

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